Pressemitteilung

Schwangerschaft-Göppingen

"Große Zukunftsängste bei fehlendem finanziellen Rückhalt"

Das Angebot der Katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen ist umfangreich: Die Mitarbeitenden beraten zu Fragen der Sexualaufklärung und Familienplanung; sie sind Anlaufstelle bei allen Anliegen, die eine Schwangerschaft berühren. Die Beraterinnen und Berater sind geschult in sozial- und familienrechtlichen Fragestellungen. Sie informieren über familienfördernde Leistungen, vermitteln bei Bedarf finanzielle Hilfen und bieten auch Beratung im Zusammenhang mit pränataldiagnostischen Untersuchungen. Sie stehen im Übergang von der Paarbeziehung zur jungen Familie an der Seite von jungen Eltern und vermitteln in Angebote Früher Hilfen.

Göppingen, den 18.10.19 -  478 werdende Mütter haben im vergangenen Jahr in Göppingen  eine Schwangerschaftsberatung der Caritas aufgesucht. In den insgesamt1256  Beratungsgesprächen thematisierten mehr als 70 Prozent der Frauen ihre schlechte finanzielle Situation. Rund drei Viertel verfügten über kein eigenes Erwerbseinkommen. Viele sind in unsicheren Arbeitsverhältnissen im Niedriglohnbereich beschäftigt. Dabei beobachten die Beraterinnen und Berater, dass gerade während der Schwangerschaft das Gefühl, finanziell nicht abgesichert zu sein und um die Grundversorgung kämpfen zu müssen, eine hohe Belastung darstellt.

"Haben die Frauen und Paare finanziell keinen sicheren Rückhalt, entstehen Zukunftsängste", so Angelika Holub-Salerno (Schwangerschaftsberaterin in Göppingen). "Gerade in der Schwangerschaft wird dies zum hohen Stressfaktor, der sich auch auf das Kind übertragen oder eine positive Wahrnehmung des Kindes belasten kann." Eine sichere Eltern-Kind-Bindung sei wiederum die Grundvoraussetzung für eine gute Entwicklung des Kindes, so Holub-Salerno.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Berichte der einzelnen Beratungsstellen, dass Frauen und Paare mit der komplexen Antragstellung vor allem von Elterngeld überfordert sind. Dasselbe gilt für den Kinderzuschlag, Arbeitslosengeld oder Wohngeld. Die Abläufe in den Behörden sind für sie vielmals nicht nachvollziehbar. Anträge werden aus Angst, etwas falsch zu machen, nicht gestellt. Haben die Frauen ein schwankendes Erwerbseinkommen, muss die Höhe der Hartz-IV-Leistungen, die sie als aufstockende Hilfen beziehen, immer wieder neu berechnet werden. Bis alle Nachweise erbracht sind und die Leistungen bewilligt und ausbezahlt werden, vergeht Zeit, so dass sich Familien plötzlich am Rande der Existenz befinden. Da familienpolitische Leistungen wie das Kindergeld auf den Hartz-IV-Regelsatz angerechnet wird, ist der finanziellen Spielraum zudem sehr begrenzt.

"Alleinerziehende Frauen unterliegen einem besonders hohem Armutsrisiko", betont
Sabine Stövhase, Leitung des Caritas-Zentrums Göppingen in der Caritas-Region Fils-Neckar-Alb. Um die finanzielle Sicherheit von Allerziehenden sowie von jungen Familien zu stärken, muss aus Sicht der Caritas der Zugang zu familienfördernde Leistungen dringend vereinfacht werden. "Eine Zusammenführung der Leistungen für Familien in Form einer Kindergrundsicherung könnte ein wichtiger Schritt sein, mit dem sich auch Zahlungsverzüge vermeiden ließen", so Stövhase. Den Familien bliebe der Gang zu vielen Ämtern erspart und die Gefahr, in Armut zu rutschen, wäre deutlich geringer. "Familien würden mit der Kindergrundsicherung etwas besser über die Runden kommen."

Das Caritas-Zentrum Göppingen ist Teil der Caritas-Region Fils-Neckar-Alb und somit die für den Landkreis Göppingen zuständige Stelle des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Hier sind 3 Beraterinnen und Berater in der katholischen Schwangerschaftsberatung (KSB) in knapp 1,5 Vollzeitstellen tätig. Sie beraten und begleiten Frauen und Paare an den Standorten Göppingen und Geislingen, sowie über ein Online-Portal. Die Beratungsstellen sind in Trägerschaft des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.

Insbesondere durch die Bundesstiftung "Mutter und Kind", dem Bischöflichen Hilfsfonds und weiterer kirchlichen und kommunalen Mittel haben die Beratungsstellen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in 2018 finanzielle Hilfen in Höhe von fast 3 Mio. Euro vermittelt.